Historische Entwicklung der Gärten
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Die Geschichte der Hohenheimer Gärten beginnt damit, dass Herzog Carl-Eugen im Jahr 1772 seiner Favoritin Franziska Gräfin von Leutrum zu ihrem 24. Geburtstag den Garbenhof schenkt.
Doch der Garbenhof hat eine lange Vorgeschichte, die im Jahr 1100 beginnt und hier zusammengefasst wird.
Die erste Erwähnung von Hohenheim erfolgte im sogenannten „Codex Hirsaugensis“. Darin hieß es: „Herr Egilolf von Hohenheim habe dem Schwarzwälder Benediktinerkloster je eine Hufe Landes in Hohenheim selbst und in benachbarten Riedenberg geschenkt.“
Quelle: Parkpflegewerk Hohenheim (1989): OFD Stuttgart.
Die erste Erwähnung von Hohenheim erfolgte im sogenannten „Codex Hirsaugensis“. Darin hieß es: „Herr Egilolf von Hohenheim habe dem Schwarzwälder Benediktinerkloster je eine Hufe Landes in Hohenheim selbst und in benachbarten Riedenberg geschenkt.“
Quelle: Parkpflegewerk Hohenheim (1989): OFD Stuttgart.
1272 wird eine dörfliche Siedlung in Hohenheim nachgewiesen.
Quelle: Parkpflegewerk Hohenheim (1989): OFD Stuttgart.
1291 bis 1300 ist ein Friedrich von Hohenheim als Schultheiß in Esslingen belegt. Die Herren von Hohenheim unterstellten sich den Grafen von Württemberg. Ansässig ist hier bis ins 15. Jahrhundert das Adelsgeschlecht von Hohenheim, auch Bombaste von Hohenheim genannt, deren bekanntestes Mitglied der Humanist und Arzt Theophrast von Hohenheim, genannt Paracelsus ist. Bombast ist ein flauschiges Wollstoffwams, das vom Kreuzzug mitgebracht war.
Quelle: Parkpflegewerk Hohenheim (1989): OFD Stuttgart.
Um 1400 wird das Dorf verwüstet, nur die Stammburg, eine Wasserburg, bleibt übrig.
1420 tauscht Ritter Hans von Hohenheim die Stammburg gegen einen reichsunmittelbaren Herrensitz in Riet bei Vaihingen / Enz.
Im selben Jahr 1420 wird Hohenheim an Heinrich Pfähle verkauft.
Heinrich Pfähle verkauft Hohenheim an seine drei Neffen mit dem Namen von Späth.
Quelle: Parkpflegewerk Hohenheim (1989): OFD Stuttgart.
1432 verkaufte die Familie von Späth Burg und Hof Hohenheim (über 80 Hektar großes Anwesen) an das vermögende Esslinger Katharinenspital.
Das Spital verwaltete Hohenheim durch Pächter (Hofmeier). Deren Haus war seit dem 17. Jahrhundert die Wirtschaft Garbe.
Heute ist es die denkmalgeschützte Gaststätte „Garbe“, an der Ecke Filderhauptstraße/ Garbenstraße, die an diese Vorgeschichte erinnert.
Quelle: Parkpflegewerk Hohenheim (1989): OFD Stuttgart.
1676 musste das Esslinger Spital Hohenheim zum Spottpreis von 3.600 Gulden an den kaiserlichen Kammerjuwelier und Proviantkommissar Emanuel von Garb verkaufen.
Er stammte aus einem alten und angesehenen Augsburger Patriziergeschlecht. Die Familie Garb war Ende des 16. Jahrhunderts von Genf nach Augsburg gezogen und dort ansässig geworden.
Emanuel von Garb ließ anstelle der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Wasserburg zu Hohenheim ein frühbarockes Schlösschen bauen.
Das zweistöckige Gebäude war von einem Wassergraben umgeben, über den zwei Zugbrücken führten. Vorgelagert war ein „Lust–und Küchengarten“ mit „in- und ausländischen Pflanzen und mit Statuen geziert“, wie man es von Herrensitzen nach italienischen Vorbildern kannte. Um das Schloss lagerten sich Stallungen, ein Meiereihof und die Scheuer: Das Ganze wurde nun der Garbenhof genannt.
Emanuel von Garb starb 1684. Bei seinem Tode war das Gut 26.000 Gulden wert.
1768 ließ Carl Eugen (1728-1793), zwölfter Herzog von Württemberg, Schloss und Gut Hohenheim als Lehen einziehen.
Er übergab es 1769 der herzoglichen Rentkammer zur Verwaltung. Das bei dieser Gelegenheit angefertigte Traditionsprotokoll beschrieb die Hohenheimer Anlage kurz:
Ein auf italienische Art erbautes Schlösslein; dies war ringsumher mit einem Hoff, dieser aber mit einer 6 Schuh hohen Mauer und hinter dieser mit einem diefen Wassergraben und zwei alten abgängigen Aufzug-Brücken versehen.
Noch im selben Jahr, 1769, wurde das Gut verpachtet.
Das Wasserschlösschen befand sich in einem sehr schlechten Zustand, teilweise vom Einsturz bedroht und hatte undichte Dächer. Das alte, zweistöckige Schlösschen wurde in der Folgezeit wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzt.
Am 10. Januar 1772 schenkte der Herzog seiner Favoritin Franziska Gräfin Leutrum, spätere Reichsgräfin von Hohenheim, zu ihrem 24.Geburtstag den Garbenhof. Zu diesem Zeitpunkt war das Schlösschen wieder instand gesetzt und neu möbliert.
Über die Größe des Schlösschens gibt es keine Angaben. Nach einem Plan, in dem auch die mittelalterlich Burg, das Wasserschlösschen und der Schlossneubau eingetragen sind, lässt sich die Größe des quadratischen Grundrisses auf circa 18 auf 18 Meter schätzen. Der Bau war zweigeschossig.
Es stand noch bis Ende des Jahres 1785 und wurde wahrscheinlich zwischen Dezember 1785 und 1. Februar 1786 abgerissen.
Herzog Carl Eugen von Württemberg lässt von 1772 bis 1793 für seine spätere Frau Franziska und sich selbst die Schloss- und Parkanlage errichten.
1776 wird Hohenheim, das Herzog Carl Eugen seiner Geliebten und späteren Ehefrau Franziska von Hohenheim geschenkt hat, zur Sommerresidenz. Da das Garbsche Wasserschlösschen zu klein geworden ist, werden erste Flügelbauten und ein Englischer Garten zugefügt.
1793 stirbt Herzog Carl Eugen noch vor der Fertigstellung des Schlosses. Die Bauarbeiten werden eingestellt und das Schloss steht als halbfertige und mehrmals geplünderte Bauruine 20 Jahre lang leer.
Franziska zieht nach dem Tod ihres Ehemanns auf Druck von dessen Familie nach Schloss Kirchheim. Am Neujahrstag 1811 verstirbt sie dort nach langjähriger Krankheit.
Quelle: Archiv der Universität Hohenheim
Nach 1772 vergrößerte Carl-Eugen das Gut Hohenheim durch Landzukäufe auf das annähernd Vierfache. Er strebte die Entwicklung eines landwirtschaftlichen Mustergutes in Verbindung mit einem englischen Park an, der mit allen anderen fürstlichen Parkanlagen konkurrieren sollte.
Seine besondere Aufmerksamkeit galt der Pferde- und Rinderzucht sowie dem Obstbau. Dabei legte er besonderen Wert auf Obstbaumalleen, die sowohl ästhetische wie wirtschaftliche Gesichtspunkte erfüllten.
Ab 1774 verbrachten Carl-Eugen und Franziska die warmen Monate in Hohenheim.
Ab 1778/1779 ließ der Herzog in Hohenheim seltene ausländische Gewächse anpflanzen
Bereits 1783: mit 1200 Gehölzarten inkl. Varietäten und Formen eine der reichhaltigsten Sammlungen ausländischer Gehölze in Deutschland. Damit ist eine der wesentlichen modernen Aufgaben Botanischer Gärten, die Sammlung und Nutzung von Pflanzen aus verschiedenen systematischen Pflanzengruppen für Forschung und Lehre schon angelegt worden.
Quelle: Parkpflegewerk Hohenheim (1989): OFD Stuttgart.
Beispiel für noch erhaltene Gehölze - die „Liebesplatane“ am Spielhaus, Nationalerbe-Baum Deutschlands, gefördert von der Eva Mayr-Stihl Stiftung.
1785 wird das Wasserschlösschen endgültig abgerissen und der Grundstein für das heutige Schloss Hohenheim gelegt. Das Herzogspaar lebt unterdessen im heutigen Speisemeistereiflügel.
1785 wird der Bau des weitläufigen Residenzschlosses begonnen, 1801 zeichnet Carl Urban Keller eine Ansicht von Süden.
Nach dem Tod Carl Eugens 1793 musste Franziska Schloss Hohenheim verlassen und bezog Schloss Kirchheim.
Es wird vermutet, dass Franziska von Hohenheim maßgeblich an der Wandlung von Carl Eugen vom Despoten zum fürsorgenden Landesvater beteiligt war.
1795 wurde das „Dörfle“ öffentlich zugänglich, veranlasst durch Herzog Friedrich Eugen
Nachfolger Herzog Friedrich II. veranlasste die Versetzung der besser erhaltenen Teile des „englischen Dörfles“ nach Ludwigsburg und andere Schlösser.
Unter Herzog Friedrich II. von Württemberg erhielt das „Dörfle“ die Funktion einer Exotischen Baumschule. Sie versorgte die königlichen Gärten mit Jungpflanzen, die verbleibenden wurden verkauft.
1813 wurde das „Dörfle“ zur Exotischen Landesbaumschule ernannt und bekam die Funktion eines Arboretums mit botanisch-wissenschaftlicher Ausrichtung.
König Wilhelm I. und Katharina Pawlowna gründen die landwirtschaftliche Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt Hohenheim.
Mitten in der Hungerkrise besteigen König Wilhelm I. und seine Frau Katharina Pawlowna als neues Königspaar den württembergischen Thron. Um die unmittelbare Not und den Hunger zu lindern, aber auch um revolutionären Ausbrüchen entgegenzuwirken, reagieren sie mit einer landesweiten Wohlfahrtsinitiative. Außerdem soll die landwirtschaftliche Produktivität dauerhaft gesteigert werden. Dafür benötigt es moderne Institutionen und neues landwirtschaftliches Wissen.
Am 20. November 1818 gründen König Wilhelm I. und Katharina Pawlowna daher die landwirtschaftliche Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt Hohenheim. Aus ihr geht später die Universität Hohenheim hervor.
Erster Direktor wird Johann Nepomuk Hubert Schwerz (1759-1844), der als einer der Hauptvertreter der empirisch-rationellen Landwirtschaftslehre gilt. Gemeinsam mit zwei weiteren Lehrern unterrichtet er zu Beginn 16 Schüler in Landwirtschaft, Mathematik, Physik, Chemie, Mineralogie und Botanik.
Angegliedert werden der neuen Institution eine Gutswirtschaft und eine Waisenanstalt, die spätere Ackerbauschule. Aus der in die Ackerbauschule integrierten Elementarschule gehen im Laufe des 19. Jahrhunderts eine Grundschule und eine Reallateinschule hervor, welche der Vorgänger des heutigen Paracelsusgymnasiums (seit 1966) war.
Quelle: Archiv der Universität Hohenheim
Zwei Jahre nach der Gründung wird die Hohenheimer Musteranstalt durch eine Forstschule ergänzt. Fünf Jahre nach der Gründung der niederen Forstschule in Hohenheim wird sie 1825 um die akademische Forstausbildung erweitert.
Die 1820 in Hohenheim eingerichtete niedere Forstschule wird 1825 um die akademische Forstausbildung erweitert und bildet vor allem junge Menschen für den staatlichen Forstdienst in Württemberg aus. Die Forstleute in Hohenheim harmonieren zu keinem Zeitpunkt mit den Landwirten. Dass für das Forststudium zwingend das Abitur Zulassungsvoraussetzung war, für das Landwirtschaftsstudium aber nicht, führte schon früh zu Spannungen zwischen Forstleuten und Landwirten. Die Forstleute fühlten sich eher der Wissenschaft an einer Universität zugeneigt, als der praxisorientierten Ausbildung am Institut. 1881 verließen sie daher Hohenheim und zogen an die Eberhard Karls-Universität in Tübingen.
Quelle: Archiv der Universität Hohenheim
Bereits 1780 wurde in Hohenheim durch Herzog Carl Eugen von Württemberg eine Gartenbauschule gegründet, die nach seinem Tode jedoch in Vergessenheit geriet. 1842 schließlich etabliert Wilhelm I. erneut eine königliche Gartenbauschule. Die Staatsschule für Gartenbau und die städtische Landwirtschaftsschule bleiben bis 2015 eng mit der Universität Hohenheim verbunden. 2015 trennen die zuständigen Ministerien Universität und Schulen, wobei die über Jahrzehnte hinweg etablierten Kooperationen z.B. bei der Pflege der Gärten und mit der Floristmeisterschule auch weiterhin fortbestehen.
Quelle: Archiv der Universität Hohenheim